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Ansicht der Baumwollspinnerei Louis Beckmann & Co. von 1865 entdeckt

Das Textilmuseum Rheine freut sich aktuell über eine bislang unbekannte Ansicht der Baumwollspinnerei Louis Beckmann & Co., auf einem Rechnungsbogen aus dem Jahre 1865 über etliche Kisten mit Pincops und Warps (Schuß- und Kettgarne).

Louis Beckmann u CoDie Ansicht ist vom Gleiskörper der Eisenbahnlinie Münster-Emden gesehen, in Richtung Stadtkirche St. Dionys. Die als eingeschossige Shedanlage angelegte Spinnerei wird überragt von einem zweigeschossigen Lagergebäude, in dem sich wohl auch die Rohbaumwollenaufbereitung befand. Links davon ist das Dampfmaschinenhaus (mit Schornstein) angeordnet. Zwischen Spinnerei und Arbeiterwohnhaus ist der Gasometer der modernen Gasbeleuchtungsanlage zu erkennen

Neben der ersten, später von Hardy Jackson weitergeführten „Baumwollen-Spinnerei zu Rheine" (1847) und dem Unternehmen von C. Kümpers & Timmerman (1867) hat es noch eine dritte Baumwollspinnerei gegeben: Die Baumwollmaschinenspinnerei Louis Beckmann & Co., von der allerdings recht wenig bekannt ist. Louis Beckmann (1827-1907) könnte der Textilunternehmerfamilie Beckmann aus Bocholt entstammen, wohin die Familie Kümpers enge Verbindungen unterhielt. Der Betrieb wurde 1861 auf einem auf der Hove, nahe dem Bahnhof gelegenen Grundstück errichtet - quasi auf der grünen Wiese, inmitten von Gärten (heute Höhe Christianstraße) - und verfügte über ca. 10.000 Spindeln, angetrieben von einer 12 PS starken Dampfmaschine. Noch im gleichen Jahr wurde die Konzession zu eine Gasanlage „zu 200 Flammen" für eine betriebseigene Gasbeleuchtung beantragt und auch erteilt, eine der frühesten derartigen Anlagen im Kreis Steinfurt.

Louis Beckmann gehörte mit Hardy Jackson zu den Gas-Aktivisten in Rheine, beide gründeten bereits 1863 eine „Gesellschaft zur Anlage einer Gasbeleuchtung in der Stadt Rheine". Die städtische Gasanstalt wurde am 1. September 1878 in Betrieb genommen und Louis Beckmann zum ersten Direktor der Gasanstalt ernannt.
Der Spinnerei selbst war nur ein kurzes Leben beschieden. Während des Amerikanischen Bürgerkrieges (1861-65) und der darauf erfolgten drastischen Baumwollverknappung geriet das erst junge Unternehmen in ernste Schwierigkeiten. Die Preise für Rohbaumwolle stiegen ins Uferlose. Dieser ersten großen Krise innerhalb der ersten jungen Baumwollindustrie fiel auch die Baumwollspinnerei Louis Beckmann & Co. zum Opfer, die wohl schon um 1867 in Konkurs ging. Louis Beckmann unterhielt danach noch lange Jahre eine Baumwollvertretung in der Poststraße. Beckmann starb am 19. Mai 1907 und wurde auf dem Alten Friedhof an der Salzbergener Straße bestattet.
In das Beckmannsche Spinnereigebäude zog 1883 das nur kurzlebige Unternehmen der Jutespinnerei Albers, Hüffer & Co. ein, die aber bald wiederum einging und von der um 1890 gegründeten Juteweberei L. Terfloth & Comp. (bis 1901) übernommen wurde. Das Spinnereigebäude selbst ist als „alte Jutefabrik" noch bis in die zwanziger Jahre in Stadtplänen nachweisbar.
Andreas Oehlke

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 4 Gasanlage BeckmannPlan für eine betriebseigene „Gasfabrik zu 200 Flammen“ für Louis Beckmann (1861

 

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